Chancen erhöhen –
5 Bewerbungstipps aus erster Hand

Gesamt_Bewerbung

Als Leiter der Ausbildung am Flughafen Stuttgart bekomme ich jeden Tag viele Bewerbungen auf den Tisch. Gerade jetzt werden es wieder deutlich mehr, denn wir suchen die Azubis für 2012. Aufmerksam lesen und bewerten, auswählen und entscheiden – meine Kolleginnen und Kollegen aus den Fachbereichen und ich haben einiges an Lektüre. Willkürlich wählen wir natürlich nicht aus, und damit künftige Azubis es ein wenig leichter haben, hier ein paar Tipps von mir, worauf wir besonders achten:

1. Informationen sind alles …
Wir brauchen Bewerber, die sich ausführlich über den Beruf informiert haben und so genau wissen, was in der Ausbildung auf sie zukommt. Hierfür bieten wir die Möglichkeit an, ein Betriebspraktikum zu absolvieren. Und wenn es mit dem Praktikum im Wunschberuf oder dem Wunschbetrieb in der von der Schule dafür vorgesehenen Zeit nicht klappt … es gibt auch noch die Schulferien. Wenn ein Schüler seine Ferienzeit einsetzt, um ein freiwilliges Praktikum zu machen, bekommt er auf jeden Fall ein dickes Plus. Wir sehen damit, dass er sich wirklich für den Beruf interessiert.

2. Die Frage nach dem „Warum“ und dem „Was“ …
Dann möchten wir im Anschreiben der Bewerbung für einen Ausbildungsplatz eine gute Begründung dazu lesen, warum der Schüler gerne zu uns möchte und was ihn besonders am Beruf interessiert. Nichts leichter als das, wenn man (vielleicht sogar bei uns) ein Praktikum absolviert hat. Man kann berichten, was man im Praktikum machen durfte, dass es einem Spaß gemacht hat, dass die Betreuer (hoffentlich) nett waren, dass einem viel gezeigt und erklärt wurde. Uns ist wichtig, dass der Bewerber diesen Beruf wirklich – von sich aus – erlernen will … und nicht, weil der Berufsberater der Agentur für Arbeit, die Eltern oder der Lehrer gemeint haben, dass dieser Beruf wohl am besten passt oder alle Alternativen noch schlechter waren, oder der Anfahrtsweg besonders kurz ist, oder …

3. Sorgfalt zeigt sich in vielen Kleinigkeiten …
Bevor die Bewerbungsunterlagen verschickt werden, sollte man sich klar machen, welchen Eindruck man mit der Bewerbung erzielen möchte. Hat man mit dieser Bewerbung eine „Massendrucksache“ produziert, oder ist die Bewerbung wirklich auf die Firma – in diesem Fall auf die Flughafen Stuttgart GmbH zugeschnitten. Stimmen Adresse, Namen der Ansprechpartner, die Berufsbezeichnung etc.? Rechtschreibfehler gehen gar nicht. Wir legen auf Sorgfalt in diesem Zusammenhang einen besonderen Wert. Es zeigt, wie wichtig dem Bewerber der Ausbildungsplatz ist … denn schließlich geht es um einen möglichst gelungenen Einstieg in das Berufsleben, und damit um Zeit, viel Zeit … zwischen 2,5 und 3,5 Jahre. Es ist eine der wichtigsten Entscheidungen, die man bisher getroffen hat! Und da sollte ein wenig Sorgfalt doch machbar sein, oder?

4. Machen Sie es uns nicht schwer …
Wir möchten uns mit Hilfe der Bewerbung ein möglichst vollständiges Bild vom Bewerber machen. Es geht nicht darum, so wenig wie möglich von sich preiszugeben (dies mag eine sinnvolle Überlegung für soziale Netzwerke im Internet sein). Wir möchten die Bewerber kennenlernen. Je mehr wir von ihnen wissen, umso leichter fällt es uns, sie einzuschätzen. So sagen auch Hobbys, die Mitgliedschaft in einem Verein, das Engagement in der Jugendgruppe, die Streitschlichtertätigkeit, die Nebenbeschäftigung im Supermarkt oder im Café, aber auch ein selbstständiger Auslandsaufenthalt, absolvierte Praktika, die Klassen-/Schülersprechertätigkeit, besondere Computerkenntnisse etc. viel über einen aus. Spricht man noch andere Sprachen als Schwäbisch? Uns interessiert alles, was den Tatsachen entspricht … Ehrlichkeit ist ein MUSS! Außerdem gibt es am Flughafen besondere Anforderungen an die persönliche Strafakte der Bewerber: Es darf keine Vorstrafen geben! Keine Anklage durch einen Staatsanwalt und keine Verurteilung durch einen Richter … egal, ob zu einer gemeinnützigen Arbeit, zu einer Geld- oder zu einer Gefängnisstrafe. Und dies muss so bleiben, denn sonst endet die Karriere, bevor sie richtig begonnen hat.

5. Das lästige Thema mit den Schulnoten …
Nach unserer Überzeugung sind Schulnoten nicht alles … aber sie sagen doch einiges über einen Schüler aus. Wir Ausbilder waren auch mal Schüler, und auch wir haben nicht jedes Fach und auch nicht jeden Lehrer gemocht. Trotzdem kann man mit ein wenig Anstrengung überwiegend Noten im mittleren Bereich erreichen. Je nach Berufsrichtung brauchen wir vertiefte Kenntnisse – z.B. für die technischen Berufe in Mathe, Physik, Technik oder NWT. Für die Kaufleute sind neben Mathe auch Deutsch und die allgemeinbildenden Fächer – Erdkunde, Geschichte, Gemeinschaftskunde, EWG … von besonderer Bedeutung. Für die Servicekaufleute kommt noch das Fach Englisch hinzu. Vom Ergebnis her sollten diese Fächer mindestens im mittleren Bereich liegen.

Besonders schauen wir allerdings auch nach den Kopfnoten, also der Bewertung vom Verhalten und der Mitarbeit. Wer in der Verhaltensnote ein „befriedigend“ oder schlechter aufweist, zeigt uns, dass er oder sie sich nicht an Regeln in der Klasse oder der Schule halten kann oder will. Und dies ist eine denkbare schlechte Voraussetzung für eine Ausbildung bei uns.

Wenn diese 5 Punkte in den Bewerbungen berücksichtigt sind, dann ist die Chance deutlich höher, in die nächste Runde – in das Auswahlverfahren (Assessment Center) – eingeladen zu werden. Doch hierzu in ein paar Wochen mehr …

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