Der nächste Schnee kommt bestimmt …

Wenn es Winter wird, geht es mit dem Schneepflug auf die Piste am Flughafen Stuttgart

…ist nur die Frage wann. Und damit wir Winterdienstler uns auf die Räumzüge und das Formationsfahren einstimmen können, üben wir das bereits Ende Oktober und im November. Denn wenn es schneit, müssen wir die Technik beherrschen. Insgesamt 180 Freiwillige machen Winterdienst und sind von November bis Mitte April alle drei Wochen für eine Woche lang in Bereitschaft – will heißen: Wir können zu jeder Tages- und Nachtzeit geholt werden (nachts um zwei Uhr geweckt zu werden ist allerdings nicht immer lustig :-) ).

Und auch bei den sogenannten Trockenübungen ist es nichts mit Ausschlafen. Doch wie läuft das ab? Wir treffen uns um 2.30 Uhr. Ein müdes „guten Morgen“ fliegt mir da entgegen. Die Kälte macht aber einigermaßen wach. Ich gehöre zu denjenigen, die ein Kehrblasgerät fahren. In diesem Jahr habe ich ein Fahrzeug der älteren Generation gewählt, eines, bei dem ich nicht mit Automatik vor mich hinfahren kann, sondern bei dem ich schalten muss. Es ist auch der Räumzug mit den meisten Schaltern und Knöpfen, die wollen ja im Ernstfall richtig bedient sein. Die Kollegen nennen dieses Gerät auch Monster. Fahrzeug und Aufbau starten klappt schon mal. Danach zirkeln wir uns durch die Pforte, der fünf Meter breite Pflug fordert schließlich seinen Raum. Bei dieser Übung können zwei Gruppen zusammengestellt werden. In der Regel besteht eine aus Gruppenleiter, fünf bis sechs Kehrblasgeräten, einer Schleuder und einem Sprüher. Regie führt der Einsatzleiter.

Im Sicherheitsbereich formieren sich die Gruppen. Vom Tower wird die Freigabe für das gesamte Vorfeld und speziell für die Start- und Landebahn geholt. Dann ab auf die Piste! Die Gruppen „Anton“ und „Berta“ stellen sich auf und fahren in V-Formation die Runway entlang. „Achten Sie auf die Staffelung“, tönt es aus dem Funkgerät. Das bedeutet, wir fahren versetzt, damit eine möglichst breite Fläche gereinigt werden kann. In zwanzig Minuten ist die Bahn quasi geräumt. Jetzt kommen die Rollwege dran. „Wir räumen nach rechts“, also Pflug, Besen und Gebläse nach rechts ausrichten. Die Winterdienstkonvois drehen ihre Runden – und immer wieder: „Auf die Staffelung achten! Das letzte Fahrzeug bitte eine Pflugbreite vom Rand der Bahn entfernt bleiben.“ Das ist wichtig, damit die Fräse den hinterlassenen Schneewall aufnehmen kann und nicht im unbefestigten Gelände fahren muss, oder gar die blauen Randbefeuerungen beschädigt.

Für KollegInnen, die neu dabei sind, ist es gar nicht so einfach, sich nachts auf dem Vorfeld zu orientieren. Die Rollwege werden zwar durch grüne Mittellinien und blaue Randbefeuerung gekennzeichnet, aber eine gewisse Erfahrung ist schon hilfreich. Verirrt hat sich aber bisher niemand :-) , fährt doch der Gruppenleiter voraus und im Einzelfall lotst der Einsatzleiter. Übrigens: Die Befeuerung bietet auch was fürs Auge – sehr schön!

So – kurz vor sechs morgens rücken wir wieder ein. Denn ab sechs Uhr beginnt der reguläre Flugbetrieb. Dann überlassen wir den noch größeren Maschinen das Feld. Die Mann- und Frauschaft trifft sich im Iglu zur Nachbesprechung. Nun freue ich mich auf den ersten Realeinsatz mit einer Menge Schnee.

Eine kleine Ergänzung, falls sich dem einen oder anderen schon die Frage aufdrängt: „Wie kommt eine Frau dazu, Winterdienst zu machen?“ Die Antwort: „Es macht Spaß! Es ist cool, mit 420 PS über die Start- und Landebahn zu fahren – auf einem Lkw mit 17 Tonnen :-) Es macht Spaß, ein solches Gerät zu beherrschen. Auch sieht es schön aus, wenn der Schnee zur Seite sprüht. Hier hat man sofort ein Erfolgserlebnis, wenn die Fläche sauber geräumt ist. Bei meinem eigentlichen Arbeitsplatz im Büro ist das etwas anderes. Da organisiere ich Veranstaltungen und bin mit PC und Telefon zu Gange – und arbeite viel länger auf das Ergebnis hin.

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