Vermessen am Flughafen

GPS-Vermessung der Parkierung am alten Frachthof am Flughafen Stuttgart

„Vermessen am Flughafen? Was denn? Flugzeuge?!“ Seitdem ich meinen Praktikumsvertrag im Juli letzten Jahres bei der FSG unterschrieben habe, wird mir diese Frage oft gestellt und ich sehe dann häufig in fragende Gesichter wenn meine Antwort „NEIN“ lautet. „Ja, was machst du denn dann am Flughafen? Vermesser laufen doch immer mit „Stäben“ in der Landschaft herum.“ Okay, kurz das Lachen verkneifen und wieder sammeln, danach kann die Geschichte von meiner Zeit bei der FSG (Flughafen Stuttgart GmbH) beginnen.

Doch fangen wir mal von vorne an: Ich bin der Benjamin und studiere an der Hochschule für Technik Vermessung und Geoinformatik, bin im 5. Semester und absolviere gerade mein sogenanntes Pflichtpraktikum. Meine Wahl am Flughafen fiel auf die Abteilung „RI 3 Zentrales Datenmanagement GIS/Vermessung/CAD“ – liegt ja irgendwie auch nahe. Wie schon oben berichtet, durfte ich tatsächlich schon mit „Stäben“ durch die Landschaft ziehen. Besser gesagt, gehört es zu meinen Aufgaben, Bautätigkeiten zu dokumentieren. Hierzu zählt z.B. das Aufnehmen von neuen Gebäuden, Straßen und auch Leitungen. Diese Informationen dienen dann als Grundlage für Planungen späterer Bauvorhaben.

Diese Stäbe, die ich hierbei benutze, auch Reflektoren genannt, sind wichtig für die Vermessungen. Mit dem Tachymeter bilden sie eine Einheit und ich kann durch Winkel- und Streckenmessungen Koordinaten für z.B. eine Hauswand millimetergenau bestimmen. Dazu ziele ich mit dem Fernrohr im Tachymeter den Reflektor an und löse die Messung aus. Kurze Zeit später spuckt mir der Tachymeter die angezielte Position aus. Einfacher ist es jedoch mit Hilfe des GPS (Global Positioning System) – kennt jeder vom Navi. Jedoch das GPS, mit dem ich vermesse, ist viel genauer, allerdings auch ein bisschen teurer.

Der Außendienst ist nun abgehandelt. Was bleibt dann noch? Genau – der Innendienst. Dort verbringe ich ca. 90 % meines Praktikums. Die Daten, die im Außendienst aufgenommen werden, müssen in einem GIS (GeoInformationsSystem) gepflegt und für die anderen FSG – Mitarbeiter bereitgestellt werden. Zum Beispiel weiß dann die Planungsabteilung, wie viel Platz an der Stelle XY für sie zu Verfügung steht. Wir wollen ja nicht, dass das Gebäude auf Nachbars Grundstück steht. Da die Abteilung, in der ich mein Praktikum mache, zum Bereich „Immobilien“ gehört, werden hier auch Übersichts- und Grundrisspläne erstellt. Diese werden dann unter anderem für die Vermietung und Verpachtung von Flächen und Räumen verwendet.

Leider ist meine Zeit am Flughafen jetzt fast vorbei, aber ich habe viele neue Erfahrungen gesammelt. Erst vor Kurzem habe ich eine sogenannte Technikführung mitgemacht. Mir wurde gezeigt, wie z.B. der IT-Bereich oder die Heizungs-, Klima- und Wärmesysteme funktionieren. Ich durfte durch die Versorgungskanäle spazieren, diese gehören zu einem weitverzweigten, unterirdischen Tunnellabyrinth, in denen sich manch einer schon verlaufen haben soll. Dazu wurden mir die Winterdienst- und anderen Spezialfahrzeuge der FSG gezeigt. Ach ja, Winderdienst: Da war doch noch was. Da der Flughafen Stuttgart die Räumung des Vorfeldes und der Landebahn selber durchführt, finden dazu zahlreiche Übungen bereits vor dem ersten Schnee statt. Und ich durfte bei einer solchen Winterdienstübung (nachts von 2:30 – 6 Uhr, bevor der Flugverkehr beginnt) einmal dabei sein. Schon interessant zu sehen, wie die Winterdienstfahrzeuge so ihre Kreise ziehen.

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