Eine Exotin an der Spitze der
Bundespolizei am Airport

Inga Martens leitet seit März 2012 die Bundespolizeiinspektion am Flughafen Stuttgart - nach wie vor ein seltener Job für eine Frau

Seit März dieses Jahres leite ich nun die Bundespolizeiinspektion (BPOLI) am Flughafen Stuttgart – und damit bin ich, Inga Martens, gleich in zweifacher Hinsicht eine Exotin: Zum einen komme ich – wenn nicht bereits am Namen, so doch zumindest im persönlichen Gespräch am Dialekt sofort erkennbar – aus Norddeutschland. Damit ist Baden-Württemberg als Dienstort nicht gerade der nächstgelegene und als „Fischkopp im Ländle“ ist die Umstellung schon größer. Aber die Dienstverrichtung fernab der Heimat ist bei der Bundespolizei keine Seltenheit, und man kann sich auch als Zugezogener in Baden-Württemberg sehr wohl fühlen ;-)

Eine richtige Seltenheit hingegen sind aber noch immer Frauen in hohen Führungspositionen. Obwohl die Bundespolizei seit 1987 Frauen einstellt – wir feiern in diesem Jahr also unser 25-jähriges Jubiläum, und ich habe 21 Jahre davon mitgemacht – bilden wir noch immer eine Minderheit in einer Männerdomäne. Und genauso wie in der freien Wirtschaft findet man immer weniger Frauen, je höher man in die Führungsetagen schaut. Was aber nicht bedeutet, dass die BPOLI demgegenüber nicht offen ist, wie man an meinem Beispiel erkennen kann. Vielleicht benötigt man als Frau „einfach“ nur etwas mehr Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen und muss seine Fähigkeiten besser verkaufen.

Bundesweit hat die Bundespolizei einen Frauenanteil im Vollzugsdienst von gut 13%. Das sind die Kolleginnen und Kollegen, die im Streifen- und Kontrolldienst tätig sind. In leitenden Funktionen sind wir mit knapp 6% vertreten. Sogenannte „Schwerpunktinspektionen“, wie es der Flughafen Stuttgart als großer Flughafen oder auch Bahndienststellen in Großstädten sind, werden sehr selten von Frauen geleitet. In der Verwaltung findet man dagegen viel mehr Frauen. Doch dort sind Verwaltungsbeamte und Tarifbeschäftigte tätig, die nicht die klassische Polizeiausbildung durchlaufen haben.

Fragt man die Frauen bei uns selbst, woran der geringe Prozentsatz liegt – denn objektiv haben Frauen in der Bundespolizei die gleichen Aufstiegschancen wie die Männer – werden die Familie und vor allem die Kinderbetreuung angeführt. In dieser Hinsicht haben wir leider dieselben Probleme wie alle Firmen in der freien Wirtschaft. Da hat Deutschland meines Erachtens noch viel Nachholbedarf gegenüber anderen europäischen Staaten. Aber an der Flughafendienststelle bieten wir schon eine relativ flexible Dienstplangestaltung an, sodass Familie und Beruf so gut wie es geht vereinbar sind. Das wird bei uns groß geschrieben. So kann ich auch mit Stolz sagen, dass in meiner Inspektion im Polizeivollzugsdienst fast 21% weiblich sind. Leider ist erst eine stellvertretende Dienstgruppenleiterin dabei. Aber was nicht ist, kann ja bekanntlich immer noch werden.

Ich kann nur fĂĽr mich resĂĽmieren, dass ich bis jetzt alles richtig gemacht habe:
Ich darf täglich meinen Traumberuf ausüben, führe sehr gern meine Inspektion und fühle mich von meinen Mitarbeiter/innen und dem Führungsteam akzeptiert.
Daher kann ich den Beruf des Polizeivollzugsbeamten bei der Bundespolizei nur weiterempfehlen – Frauen wie Männern!

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