Winterdienst statt Immobilienmanagement

Die erste Saison im Winterdienst am Flughafen Stuttgart läuft für Kristine Kremer

Eigentlich bin ich im Center Planen und Bauen als Mitarbeiterin für die technische und bauliche Objektbetreuung tätig, sitze bei der Flughafen Stuttgart GmbH im Bürogebäude und arbeite mit dem PC. Doch seit diesem Winter sitze ich auch auf einem Schneepflug und mache mich bei eisigen Temperaturen und dicken Schneeflocken auf den Weg aufs Rollfeld – meine erste Saison als Winterdienstlerin am Airport. Die Reaktionen aus meinem Umfeld darauf sind ganz unterschiedlich: Von … Wow, kann ich da auch mitmachen?… Darf ich mitfahren?…. Was hast Du schon kaputt gemacht?… bis hin zu… Oh je, musst du das denn machen?… hab ich schon einiges gehört.

WARUM? Das hab ich mich anfangs auch gefragt…warum tu ich mir das an? Freiwillig?! Möglicherweise mitten in der Nacht zum Einsatz gerufen zu werden… und meinen eigentlichen Job muss ich ja auch erledigen!
Schon im Vorstellungsgespräch wurde ich gefragt, ob ich einen Lkw-Führerschein habe…da dachte ich schon: Was hat das denn mit der Stelle als Mitarbeiterin in der Abteilung Planen und Bauen zu tun? Hab ich was verpasst? Verwundert und etwas zögerlich verneinte ich. Die Antwort: „Tja, wenn Sie den gerne machen würden, kann man sich mit der Rufbereitschaft beim Winterdienst etwas dazuverdienen ….ich könnte es mir ja nochmal überlegen….“

Ja was soll ich sagen, nun bin ich seit 1. März 2012 bei der FSG und im Juli wurde dann die Stelle als Winterdienstfahrer ausgeschrieben…also gut, dachte ich mir… kneifen gilt jetzt nicht…. Auf zur Fahrschule und zuerst Theorie „absitzen“. Bei den Praxisstunden das erste Mal draußen am Fahrzeug wurden mir dann die anderen Dimensionen erst richtig bewusst! Anders als beim Auto gibt es zuerst die Einführung mit der Abfahrtskontrolle mit Themen wie Bremsen, Elektronik usw. rund ums Fahrzeug – sehr wichtig und Teil der praktischen Prüfung. Beim Fahren mit dem riesigen Lkw bekommt man dann ein ganz anderes Feeling als mit dem Auto. Denkt nur mal an den Kreisverkehr oder enge Kreuzungen! Auch das rückwärts an eine Rampe Heranfahren oder Rückwärtsbogen Fahren ist anfangs eine Herausforderung, aber definitiv Bestandteil der Prüfung, auch wenn es für meinen Einsatz nicht unbedingt erforderlich ist.

Den notwendigen Erste-Hilfe-Kurs konnte ich direkt am Flughafen bei der Feuerwehr machen. Außerdem kamen noch Schulungen wie Winterdiensttheorie, Funkeinweisung und Einweisung in die Räumfahrzeuge mit „Probefahren“ hinzu. Zusätzlich halfen die fünf Trockenübungen – ab 2:30 Uhr in der Nacht – ab Ende Oktober, sich auf den Einsatz vorzubereiten.

Winterdienstsaison ist dann vom 01.11. – 30.04. Drei Gruppen à 60 KollegInnen wechseln sich jeweils eine Woche von Montag, 7 Uhr, bis zum darauffolgenden Montag um 7 Uhr mit der Bereitschaft ab. Ich bin im Räumzug, d.h. ich fahre in der Kolonne über die Start-/Landebahn, Abrollwege und auf dem Vorfeld. Werde ich während der Arbeitszeit gerufen, bleibt das eigentliche Alltagsgeschäft liegen und ich muss es zu anderer Zeit aufarbeiten. Denn Winterdienst geht in jedem Fall vor! Und wenn ich außerhalb der Arbeitszeit gerufen werde, kurzfristig also, sollte ich trotz Schnee und Eis schnell UND sicher an den Flughafen kommen, mich bei der Leitstelle melden und ein noch freies Fahrzeug besetzen…

Soviel zur Theorie! Von meinem ersten echten Einsatz berichte ich im nächsten Blog.

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